Leidenschaft für das nicht Sichtbare
Seit ich denken kann, berühren mich Gesichter – ihre Geschichten, ihre Stille, ihr Licht. In jedem Ausdruck liegt etwas Geheimnisvolles, etwas, das über das Sichtbare hinausgeht. Schon als Kind wollte ich genau das festhalten – das, was zwischen den Linien eines Gesichts lebt.
Heute bin ich Grafikdesignerin und Künstlerin, und ich sehe meine Arbeit als eine Form des Staunens. Ich staune über die Schönheit jedes Menschen, über das, was Zeit, Erfahrung und Seele in ein Gesicht schreiben.
Mein Weg führte mich zunächst in die Gestaltung: eine Ausbildung im Grafikdesign, ein Studium im Kommunikationsdesign, mit einem besonderen Fokus auf Typografie und Buchkunst. Doch in der Elternzeit mit meinem zweiten Kind wurde mir klar, dass meine eigentliche Sehnsucht woanders liegt – im Zeichnen von Menschen, im stillen Beobachten und Verstehen.
Das Portraitzeichnen ist für mich eine Form des Gebets, eine Achtsamkeitspraxis, ein Dialog. Es geht nicht nur darum, zu sehen – sondern wahrzunehmen. In meinen Kursen mit Kindern erlebe ich immer wieder, wie sehr Kunst Herz und Blick schärft: Plötzlich wird sichtbar, dass jedes Gesicht kostbar ist, jedes einzigartig.
Ich glaube, dass jedes Portrait ein leises Abbild des Göttlichen in uns ist – ein Versuch, die Schöpfung zu ehren, indem man sie aufmerksam betrachtet.
Und so zeichne ich weiter: Linie für Linie, Begegnung für Begegnung – auf der Suche nach dem, was uns im Innersten verbindet.